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Warum Fake News in sozialen Netzwerken gedeihen

„EILMELDUNG! Angela Merkel kündigt ihren Rücktritt an!” lautet die Schlagzeile eines von vorne bis hinten erfundenen Artikels im Internet. Eine andere Überschrift behauptet: „Merkel: Deutsche müssen Gewalt von Ausländern akzeptieren.” Beides hat die Kanzlerin nie gesagt. Aber zehntausende Facebook-Nutzer:innen haben solche Falschmeldungen geteilt, gelikt oder selbst kommentiert. Und noch mehr Nutzer:innen haben sie zu Gesicht bekommen. Die Website BuzzFeed hat ausgewertet, welche Artikel über Angela Merkel von 2012 bis 2017 bei Facebook die meisten Reaktionen von Nutzer:innen bekommen haben. Das Ergebnis: In den Top 10 waren 7 vollkommen verzerrte oder komplett ausgedachte „Berichte”. Man könnte auch sagen: Fake News.

Warum das so ist, liegt auf der Hand: Auch bei klassischen Medien zieht ein Boulevard-Blatt wie die „Bild” mehr Leser:innen an als ein Wirtschaftsmagazin. Im Netz sind die erfundenen Meldungen häufig reißerisch formuliert und zielen auf die Gefühle der Menschen. Ganz im Gegensatz zu normalen Nachrichten über die Bundeskanzlerin, die dann auch viel weniger Reaktionen auf Facebook erhalten. Genauso wie YouTube-Videos zu Verschwörungstheorien eben spannender sind als die meisten Aufzeichnungen von Reden aus dem Bundestag.

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Die Fake-News-Macher:innen gestalten ihre Posts entsprechend. Und die Art und Weise, wie soziale Netzwerke funktionieren, spielt ihnen in die Hände: Wenn falsche Tatsachenbehauptungen die Menschen zu Kommentaren aufstacheln oder sie die Lügengeschichte weiter teilen, wertet der Facebook-Algorithmus das als Signal für die Wichtigkeit des Posts. Die Folge: Der Post wird noch mehr Leuten angezeigt.

Ohne die einkalkulierte Reaktion der Nutzer:innen würde dieses System nicht funktionieren. Dass Nutzer:innen immer wieder auf Gerüchte oder Falschmeldungen reinfallen, hat mehrere Ursachen:

  • Geschickte Manipulateur:innen gestalten ihre Internetseiten so, dass sie optisch auf den ersten Blick wie eine seriöse Nachrichtenseite mit sachlichen Berichten und richtiger Recherche daherkommt. Oder sie berufen sich auf eine echte Zeitung, verdrehen oder erfinden aber die Tatsachen.
  • Viele Nutzer:innen lesen kaum mehr als die Überschrift, bevor sie etwas weiterverbreiten. Ungereimtheiten fallen ihnen so gar nicht auf.
  • Die Nutzer:innen verlassen sich darauf, dass alles schon stimmt, weil es Bekannte von ihnen geteilt haben. Dabei ist es immer besser, in Zweifelsfällen selbst zu recherchieren, ob etwas vielleicht ein Fake ist.
  • Manchen Menschen ist es manchmal auch einfach egal, ob alle Fakten stimmen, wenn sie etwas teilen, solange es in ihre Weltsicht passt. Sie wollen durch das Teilen ihre Meinung unterstreichen und anderen mit der gleichen Meinung zeigen: „Ich gehöre zu Euch.“ Ob es den Tatsachen entspricht, ist zweitrangig.
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Eine Falschnachricht in Umlauf zu bringen, ist ganz einfach – ob unter dem eigenen Namen oder mit einem neu angelegten Fake-Profil. Manche Interessengruppen setzen auch eine ganze Reihe falsche Profile oder sogar automatisierte Accounts (das nennt man dann Social Bots) ein, um die Falschnachricht schneller zu verteilen. Und wenn sie sich einmal weiterverbreitet, ist sie kaum noch aus der Welt zu schaffen. Fakten-Checks und Korrekturen, die eine Falschmeldung richtigstellen, verbreiten sich langsamer und erreichen längst nicht so viele Menschen.

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