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Algorithmen und ihre Nebenwirkungen

Warum sehe ich bei Instagram immer die Fotos der gleichen Leute als Erstes? Weshalb schlägt mir YouTube oft so komische Videos vor, obwohl ich nur etwas Normales sehen wollte? Wieso schimpfen manche Leute, dass die Politiker:innen sie ignorieren, und das, obwohl in den Facebook-Kommentaren alle ihrer Meinung sind?

Entscheidend dafür sind die Algorithmen, also die Filter, mit denen die sozialen Netzwerke sortieren, welche Inhalte den Nutzer:innen angezeigt werden. Etwas vereinfacht kann man sagen: Bevorzugt werden solche Videos oder Posts, für die sich auch Deine Freund:innen interessieren. Und gemessen wird dieses Interesse daran, wie oft sie einen Inhalt liken, kommentieren oder teilen. Es schaut sich also niemand an, worum es in einem Video oder einem Post geht. Anders als zum Beispiel bei einer Zeitung oder der Tagesschau, wo Journalist:innen entscheiden: Dieses Sportereignis, diese Naturkatastrophe oder Nachricht aus der Politik ist superwichtig, das müssen alle wissen.

Die sozialen Netzwerke sagen dagegen: Unser Computer-Algorithmus kennt die Nutzer:innen viel besser und weiß, was diese wirklich interessiert. Allerdings führt die Funktionsweise der Algorithmen aber dazu, dass sich extreme Meinungen stärker verbreiten als trockene Berichte, spektakuläre Crashs oder Tiervideos besser als ausführliche Hintergrundinformationen – weil die Nutzer:innen darauf häufiger reagieren.

Das kann dazu führen, dass Nutzer:innen ein stark verzerrtes Bild der Wirklichkeit erhalten, weil Sachen, die viele Leute besonders aufregen, von den Algorithmen als besonders interessant eingestuft werden. Auch oder gerade dann, wenn sie gar nicht stimmen. Bei YouTube wurden zum Beispiel Videos mit Verschwörungstheorien in den Suchergebnissen oder als vorgeschlagene Videos weit oben angezeigt. Ein Beispiel: Im Februar 2018 erschoss ein 19-Jähriger in einer Schule in Parkland in Florida 17 Menschen. Danach sprachen sich die Schülerinnen und Schüler der betroffenen Schule öffentlich für schärfere Waffengesetze in Amerika aus. Bei YouTube und anderswo gab es danach Videos, in denen behauptet wurde, die Schüler:innen seien in Wirklichkeit bezahlte Schauspieler:innen. Das war natürlich gelogen. Viele Leute sahen die Videos trotzdem.

Wer politische Themen auf Facebook diskutiert und sich dort den entsprechenden Seiten und Gruppen einer politischen Richtung folgt, kann leicht den Eindruck bekommen, dass alle anderen seiner Meinung sind. Die Gefahr besteht, dass Menschen vor allem Informationen sehen und lesen, die sie in ihrer bestehenden Weltsicht bestärken. Wissenschaftler:innen nennen das „Echokammer-Effekt”. Es wird zurzeit heftig diskutiert, ob Nutzer:innen durch die Filter sogar in einer „Blase” gefangen sein könnten, in der sie kaum noch andere Informationen erreichen (Filter-Bubble). Am meisten steht hier Facebook in der Kritik, weil das Netzwerk weltweit mehr als zwei Milliarden eigene Nutzer:innen hat und obendrein Instagram und WhatsApp besitzt. Facebook entgegnet darauf, dass Nutzer:innen in ihrem Newsfeed sehr wohl unterschiedliche Meinungen angezeigt bekommen. Das Unternehmen hat außerdem seit 2017 verschiedene Änderungen am Newsfeed gemacht. Sie sollen zum Beispiel Manipulationen verhindern und Falschmeldungen aussortieren. Vergessen darf man außerdem eines nicht: Die Menschen informieren sich nicht nur im Internet.

Das schreibt Facebook selbst:

„Welche Arten von Beiträgen sehe ich im News Feed?

Die Beiträge, die Du in Deinem News-Feed siehst, sollen dafür sorgen, dass Du mit den Menschen, Orten und Dingen, die dir wichtig sind, verbunden bleibst. Den Anfang machen dabei Deine Freunde und Familie.

Die Beiträge, die Du zuerst siehst, werden von Deinen Verbindungen und Aktivitäten auf Facebook beeinflusst. Die Anzahl an Kommentaren, ‘Gefällt mir’-Angaben und Reaktionen, die ein Beitrag erhält, und die Art der Meldung (z.B. Foto, Video, Statusmeldung) sind Faktoren, die auch dafür verantwortlich sein können, welche Meldungen weiter oben in Deinem News-Feed angezeigt werden.

Zu den Beiträgen, die Du zuerst siehst, können gehören:

  • Fotos oder Status-Updates, die von einem Freund oder einem Familienmitglied kommentiert oder mit ‘Gefällt mir’ markiert wurden.
  • Reaktionen auf einen Beitrag eines Herausgebers, den ein Freund geteilt hat.
  • Mehrere Personen, die auf Kommentare voneinander unter einem Video, das sie gesehen haben, oder einem Artikel, den sie im News-Feed gelesen haben, antworten.
  • Denk daran: Falls Du den Eindruck hast, dass Dir Beiträge fehlen, die Du gern gesehen hättest, oder Dir unerwünschte Beiträge angezeigt werden, kannst Du Deine Einstellungen anpassen.”

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