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Wie Ihr es genau macht, hängt von Eurer Situation und Technik ab. Die Qualität von Bild und Ton kann natürlich auch immer noch vom Mikrofon, der Kamera und der Internetgeschwindigkeit beeinflusst werden. Ihr könnt auch verschiedene Varianten kombinieren oder improvisieren: Zum Beispiel statt eines Videos nur ein Foto zeigen und dazu das Interview als Text zeigen oder nur den Ton abspielen.

Lehrer Marco Fileccia über Podcast-Interviews zu Corona-Zeiten

„Es war noch einfacher, die Leute Online zu bekommen“: Lehrer Marco Fileccia, der den Schul-Podcast „Heinefunk“ in Oberhausen betreut, über Podcast-Interviews mit Abstand und das Tool Anchor.

 

Sieben Wege zum Fern-Interview

Videoanruf-Situation filmen

Ihr führt das Interview als Videoanruf (z. B. Skype, Facetime, WhatsApp …). Jemand anders filmt Euch mit dem Handy oder der Kamera beim Videocall

  • Pro: einfach durchzuführen
  • Contra: Bild und Ton des Interviewpartners leiden deutlich, weil nur indirekt aufgezeichnet

Wenn Ihr die gefilmte Anrufsituation mit dem aufgezeichneten Videoanruf oder dessen Tonspur zusammenschneidet, sieht das schon sehr professionell aus. Tipp: Beim Beginn der Aufnahme kurz in die Hände klatschen. Dann habt Ihr eine Markierung, mit der Ihr die beiden Aufnahmen ganz genau synchronisieren könnt, damit das Videobild auch zum Ton passt.

Videoanruf in der Videoapp mitschneiden

Mit einigen Apps für Videoanrufe oder Videokonferenzen lässt sich ein Gespräch direkt aufzeichnen. Das geht zum Beispiel mit Skype, Jitsi, Big Blue Button, Zoom – vielleicht also auch mit einer Software, die Ihr sowieso nutzt. Der Anruf wird dann als Videodatei gespeichert.

  • Pro:  nur auf einen Knopf klicken, fertig
  • Contra: Qualität und Format des Videos hängt vom Anbieter ab

Video-Anruf als Bildschirmaufnahme

Das Interview wird als Videoanruf gemacht. Mit einer Software zum Erstellen von Bildschirmaufnahmen/Screencasts zeichnet Ihr auf, was auf dem Bildschirm zu sehen und zu hören ist. Je nachdem, ob Ihr mit Android oder iOS, Windows oder Linux arbeitet, gibt es hier viele verschiedene Möglichkeiten und Tools.

  • Pro: Bildqualität und Ton-Qualität der Gesprächspartner:innen relativ gut
  • Contra: Achtet genau darauf, was tatsächlich aufgezeichnet wird – also zum Beispiel auch der Ton Eurer Gesprächspartner:innen und Euer eigener?

Wenn Ihr tiefer einsteigen und öfter Interviews aus der Ferne aufzeichnen möchtet, kann es sich auch lohnen, sich mit spezieller Software vertraut zu machen. Hier gibt es verschiedene Tools, mit denen erfahrene Podcaster:innen arbeiten.

Podcast-Spezialdienste wie Anchor

Eine spezielle Software zum Aufzeichnen von Audio-Podcasts ist zum Beispiel Anchor, die die Firma Spotify kostenlos zur Verfügung stellt. Die Interviewpartner:innen bekommen einen Link geschickt und müssen Mikrofon am Handy oder Laptop für die Aufnahme freigeben. Die gespeicherte Aufnahme könnt Ihr Euch dann vom Anchor-Server herunterladen. Diese Technik benutzen zum Beispiel die Schulpodcaster:innen vom Heinefunk in Oberhausen (hier ihre Anleitung für Interviewpartner). Spotify kommt aus Schweden und sitzt in Luxemburg. Ähnliche Dienste bieten die US-Unternehmen riverside.fm und squadcast.fm an.

  • Vorteil: Gute Tonqualität. Sehr einfach, wenn man es einmal benutzt hat
  • Nachteil:  Interviewte müssen für Handy/Tablet App installieren, bei Anchor nur eine gemeinsame Tonspur

Der Journalist Marco Maas erklärt auf der Website Remote Journalism, was andere, ähnliche Dienste können. Er empfiehlt die anspruchsvollere und teilweise kostenpflichtige Software „Studio-Link“.

Bleibt gesund!

In der aktuellen Corona-Situation empfehlen wir, Interviews nicht persönlich durchzuführen. Wenn es gar nicht anders geht, beachtet bitte die folgenden Hinweise:

  • Mund-Nase-Schutz aufsetzen
  • Interview draußen durchführen oder in einem gut belüfteten Raum
  • die ganze Zeit Abstand halten
  • Kamera-Bediener:in startet Aufnahme, tritt dann weiter zurück
  • ein Selfie-Stick, vielleicht sogar mit Fernbedienung, kann helfen
  • Mikrofon mit Plastiktüte schützen, diese anschließend wegwerfen
  • Fragen gut vorbereiten, das Interview nicht in die Länge ziehen
  • Beim Schnitt des Videos könnt ihr anschließend versuchen, einen engeren Bildausschnitt zu wählen, wenn die Person sonst zu klein ist

Für (Fast-)Profis: Open Broadcast Studio

Mit der kostenlosen Open-Source Software OBS könnt Ihr Videoanrufe aus unterschiedlichen Apps mit dem PC oder Laptop aufnehmen.

  • Pro: Viele Einstellungsmöglichkeiten und Varianten
  • Contra: Man muss sich damit erst vertraut machen

Ganz einfach: Interviewte Person nimmt Ton selbst auf

Wenn Ihr jemand für einen Audio-Podcast übers Telefon interviewt, könnt Ihr die Gesprächspartner:innen bitten, das Interview zusätzlich auf Ihrer Seite mit dem Smartphone mitzuschneiden. Das geht ganz einfach über Apps wie „Diktiergerät“ oder „Sprachnotizen“, die auf den vielen Smartphones vorinstalliert sind. Diese Aufnahme können die Interviewten Euch dann per Mail als Datei schicken. So machen es selbst Podcast- und Radio-Profis wie der Machiavelli Podcast.

  • Pro: Bessere Ton-Qualität als per Video-Anruf oder Telefongespräch
  • Contra: Bei Videos ist der Ton nicht lippensynchron
Journalist Vassili Golod über Podcast-Interviews zu Corona-Zeiten

„Ich erkläre den Leuten, wie mir die Tonspur schicken. Oder einfach per Zoom“:  Radiojournalist Vassili Golod vom Machiavelli Podcast über Interviews in Corona-Zeiten.

„Aufsager“ statt richtiges Interview

Ihr wollt keinen Audio-Podcast machen, sondern ein Video? Dann könnt Ihr die Person natürlich auch fragen, ob sich selbst filmen kann. Das ist für die Interviewten aber schon deutlich komplizierter (Einrichtung der Kamera, Verschicken der Videodatei an Euch usw.). Vielleicht funktioniert es am ehesten, wenn Ihr kein längeres Gespräch führt, sondern nur eine kurze Antwort auf eine einzige Frage haben möchtet. Bei Fernsehreporter:innen heißt es so etwas „Aufsager“.

  • Pro: Bessere Bild- und Ton-Qualität als bei Videoanruf oder Telefongespräch möglich
  • Contra: Kein Gespräch, Ihr könnt bei Antworten nicht noch mal nachbohren

Achtung, wenn Ihr jemand interviewt, müsst Ihr der Person erst Bescheid sagen, dass Ihr das Interview aufnehmen wollt und sie um Erlaubnis fragen. Einfach ein persönliches Gespräch oder ein Telefonat heimlich mitzuschneiden und hinterher zu veröffentlichen ist in Deutschland nicht erlaubt.

Wenn ein externer Dienst wie Skype oder Anchor zur Speicherung benutzt wird, solltet Ihr Euch und Eure Gesprächspartner über deren Datenschutzbedingungen informieren.

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