Gefühlte Wahrheit

Gefühlte Wahrheit

„Heute sind es 27 Grad.” Oder: „Heute ist es ganz schön heiß.” Ist das das Gleiche? Über den wichtigen Unterschied zwischen Fakten und Meinungen – im Netz, in den Medien, in der Werbung und sowieso.

Fakten und Meinungen

Der erste Satz mit der Angabe mit der Temperaturangabe in Grad bezieht sich auf eine messbare Tatsache: Mit einem Thermometer kann man feststellen, ob es tatsächlich 27 Grad warm ist. Aber ob es „heute ganz schön heiß” ist, ist längst nicht so eindeutig. Wer empfindlich auf Hitze reagiert, ist vielleicht dieser Meinung. Andere finden 27 Grad vielleicht gerade angenehm warm.

Wer sich im Internet bewegt, weiß, daß man nicht alles für bare Münze nehmen darf, was man dort liest oder sieht. Es kommt darauf an, woher die Informationen kommen – ist die Person oder die Internetseite vertrauenswürdig? Und auch wenn man sie als verlässlich kennt, muss man unterscheiden zwischen echten Tatsachen und bloßen Meinungen, die eine Person vertritt.

Deutlich wird das natürlich bei Werbespots oder Anzeigen, die ihr Produkt in den Himmel loben. Aber auch bei vielen Videos von YouTubern geht es vor allem darum, wie ihre Meinung zu einem Thema ist oder wie sie ein Produkt finden. Und eine Meinung über etwas kann man auch äußern, ohne dass man sich näher damit beschäftigt hat oder alle Tatsachen kennt.

Ein Gegenbeispiel: Bei Nachrichten im Fernsehen, in der Zeitung oder im Internet geht es um die Vermittlung von Fakten: Was ist wann und wo passiert? Das wird in nüchterner Sprache erzählt. Die Meinung der Journalisten zum Thema spielt keine Rolle und tritt zurück – die Zuschauer und Leser sollen selbst anhand der Fakten entscheiden, wie sie etwas finden. Wenn Journalisten in den Medien etwas bewerten und kommentieren, wird das meist extra gekennzeichnet.

So zumindest die Theorie. In der Praxis ist die Trennung zwischen Meinung und Tatsachen nicht immer so klar. So können natürlich auch YouTube-Videos viele Informationen vermitteln, auch wenn die Meinung der Macher im Vordergrund steht. Und Journalisten oder Wissenschaftler, die eigentlich neutral über Fakten berichten wollen, lassen mitunter doch ihre Meinung einfließen, ohne das kenntlich zu machen, ob aus Versehen oder gar mit Absicht. Und schließlich ist schon die Frage, ob man sich überhaupt mit einem Thema beschäftigt, eine Bewertung: nämlich, dass man das Thema aus bestimmten Gründen für wichtig hält.

Wer durch Meinung gefärbte Aussagen mit Tatsachen verwechselt, läuft Gefahr, falschen Informationen aufzusitzen. Gerade weil die Trennung nicht immer so eindeutig ist, sollte man darauf achten, was gesagt wird, und vielleicht selbst recherchieren: Was sind wirklich Tatsachen? Was ist bloß Meinung? „Heute ist es ganz schön heiß für einen Herbsttag an der Nordsee” kann zum Beispiel beides sein: einfach eine persönliche Meinung oder eine Tatsache, weil das Thermometer 10 Grad mehr zeigt als an einem durchschnittlichen Herbsttag an der Nordsee.

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Weitere Informationen

Was ist Meinung? Was ist eine Nachricht? Mehr Informationen dazu findest Du in diesem Video von "So geht Medien". Was Nachrichtenfaktoren sind und warum wir im Fernsehen sehen, was wir sehen, erklärt dieses Video.

Im "Fake Filter"-Video von Mr Trashpack geht's um die Aufgaben und Glaubwürdigkeit von Journalisten - und ob sie diese Ansprüche auch tatsächlich immer erfüllen.

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